Der krumme, geradlinige Weg
November 29, 2008
Durch Meditation lösen sich Konzepte und Glaubenssätze auf und der vorher geradlinige Weg sieht plötzlich ganz krumm aus. Dinge passieren, die neu und ungewohnt sind und die Frage taucht auf: Dieser komische und unlogische Weg, den ich gehe, der soll der richtige sein?
Im Nachhinein wird alles logisch
Wenn du erst einmal angkommen bist, dann wirst du die Logik jedes Schrittes erkennen, den du gemacht hast. Du wirst begreifen, warum du springen musstest, warum du den oder den anderen Schritt tun musstest. Damals, als du ihn nahmst, war überhaupt nichts klar. Nichts war sicher und es gab keine Garantie für die Richtigkeit des Handelns. Du bist trotzdem gegangen, weil du deinem Gefühl und nicht deinem Denken vertraut hast. Nachträglich, wenn du dann auf diese Zeit zurücksiehst, kannst du das Denken wieder einschalten. Dann ist es einfach, den Strom von Logik zu erkennen, der unter allen deiner Schritte lag.
Diejenigen, die angekommen sind, verhalten sich sehr logisch. Aber diejenigen, die auf dem Weg sind, werden nie ankommen, wenn sie versuchen, logisch zu sein. Dieses Paradox muss verstanden werden. So kommt es, dass die Aussagen von Buddha, Tilopa, Saraha und Atisha wirklich sehr logisch sind, doch das nur für diejenigen, die ebenfalls angekommen sind. Wenn du dich auf das Ziel, das Höchste, zu bewegst, dann ist alles vage und hinter einer Wolke versteckt. Am Nachmittag wird der Nebel verschwunden sein. Doch das muss erst noch passieren.
Deine Vision ist anders als die der anderen
Lasse also die Anleitungen, die dir vom Meister gegeben werden in dich einsinken, fühle sie und verarbeite sie, doch halte sie nicht für Gott-gegeben. Ein paar Unterschiede zu deinem Weg wird es unausweichlich geben. Ein paar Dinge werden dir auf deinem Weg begegnen, die Atisha oder irgendeinem anderen Meister nicht passiert sind. Es gibt so viele Wege wie es Menschen gibt. Keiner kann auf deinem Platz stehen. Sogar diejenigen, die ganz nahe bei dir stehen, schauen nicht von dem gleichen Platz wie du. Deine Sicht der Dinge wird ein wenig anders sein, als der Person, die neben dir steht und deine Hand hält. Keine zwei Menschen sehen die Welt in genau gleich, das ist unmöglich. Jeder muss von seinem eigenem Platz ausgehen.
Osho, The Book of Wisdom #5
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Meditation kann nicht übertragen werden
November 27, 2008
Wenn ein König zu Mahavir, einem indischen Meister der Meditation, kommt und Meditation kaufen will, so klingt das für meine Ohren wie eine schöne Geschichte. Klar, ist Meditation nicht zu kaufen, das weiß doch jeder! Wirklich? Die Auswirkungen des Verstehens sind weitreichend, denn wenn mir Meditation niemand weitergeben kann, dann muss ich selbst Verantwortung übernehmen.
Mahavir erlaubt sich einen Spaß
Eines Tages kam ein König zu Mahavir. Er hieß Presenjit und war in jenen Tagen sehr berühmt. Er fragte Mahavir: „Gib mir das, was du Meditation nennst, gib es mir! Ich bin bereit, alles dafür zu zahlen, koste es, was es wolle!“
Der König war in der Welt zuhause, er kannte es nicht anders, als dass man im Leben alles kaufen könnte. Deshalb kam er mit dieser unintelligenten Frage. Mahavir antwortete: „Na so was, warum hast du dir all die Umstände gemacht, um hierher in diesen tiefen Wald zu kommen? In deiner eigenen Hauptstadt gibt es einen Mann, er ist ein Schüler von mir, ein sehr armer Mann, der dir gerne Meditation verkaufen wird. Gehe einfach zu ihm. Ich brauche nicht, was du mir geben kannst und ich bin auch nicht in der Stimmung dafür, dir Meditation zu verkaufen. Kaufe sie dir lieber von diesem armen Menschen. Er wird sie dir wahrscheinlich verkaufen.“
Mahavir machte sich einen Spaß aus dem König. Presenjit fuhr schnell in seiner Kutsche zu der Hütte des armen Mannes. Die Hütte sah so ärmlich aus, dass er dachte: „Bestimmt wird mir dieser Mann Meditation verkaufen, ich kann das alles hier kaufen, den Mann eingeschlossen.“
Ich gebe dir, was du willst!
Der arme Mann kam aus dem Haus, er war fast nackt. Er war von besonderer Schönheit, mit einem anmutigen Körper und ein großes Licht schien um ihn herum. Der König fühlte das. „Mahavir hat recht, dieser Mann hat ES! Schau dir nur einmal sein Gesicht an, es leuchtet so!“, dachte er. Und so sagte er zu dem Mann: „Sage mir einfach, was du für deine Meditation haben möchtest. Ich gebe dir was du willst.“
Der Mann zögerte. Was sollte er dem König antworten? Der König dachte, er zögere über den Preis und sagte: „Mache die keine Sorgen, ich zahle jeden Preis.“ Doch die Antwort war: „Es ist keine Frage des Preises. Ich möchte dich nicht enttäuschen, aber nach was fragst du? Es ist völlig absurd. Ich kann es dir nicht verkaufen. Meditation ist kein Ding. Es ist überhaupt nichts Objektives. Es ist mir passiert. Mahavir muss sich einen Spaß mit dir erlaubt haben. Gehe zu ihm zurück. Er hat dich zu mir geschickt, damit du verstehst, dass, selbst wenn du einem Bettler ein ganzes Königreich anbietest, so kann er dir doch nicht seinen Zustand von Meditation verkaufen. Meditation ist unschätzbar. Meditation ist kein Gebrauchsgegenstand.
Die Menschen denken, das Göttliche, der Zustand von Meditation, sei ein Gegenstand, den man weitergeben könnte: „Gib es uns!“ Doch so läuft das nicht. Du musst selbst zu Meditation werden. Du musst verwandelt werden. Du musst dich dafür einsetzen, dich zu verwandeln.
Osho, The Perfect Master #5
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Über Fußball und andere Verrücktheiten
November 25, 2008
Warum begeistern sich so viele Menschen für Fußball? Und warum für Boxen? Warum begeistern wir uns nicht für Spiele, die sich um Intelligenz und Mitmenschlichkeit drehen? Ganz einfach, weil wir verrückt sind!
Das Tier in mir
Es gibt nur zwei Arten von Menschen in der Welt: die normal verrückten und die unnormal verrückten. Normal verrückt zu sein, bedeutet, verrückt innerhalb akzeptierter Grenzen zu sein. Schau dir einmal all diese normal verrückten Leute an, wie sie bei einem Fußballspiel mitfiebern. Ein paar Typen auf der einen Seite und ein paar auf der anderen rennen um einen Ball und Millionen von Verrückten ereifern sich darüber im Stadium und vor ihren Fernsehern, kleben auf ihren Sesseln und können sich nicht vom Geschehen lösen… So, als ob etwas ganz unglaublich Wertvolles passieren würde…
Du nennst diese Welt vernünftig?
Da sind zum Beispiel die Boxkämpfe. Die Boxer schlagen aufeinander ein und Millionen von Leuten schauen begeistert zu. In der Universität von Kalifornien hat man herausgefunden, dass, wann immer ein Boxkampf stattfindet, die Verbrechensrate sofort um 13 Prozent ansteigt. Und das bleibt so noch bis zu sieben Tagen nach dem Kampf – Vergewaltigung, Mord, Selbstmord.
Es ist auch von anderen Studien bestätigt worden, dass Boxkämpfe einfach nur unsere animalische Vergangenheit widerspiegeln. Derjenige in uns, der begeistert über einen Boxkampf ist, ist das Tier in uns. Du möchtest auch jemanden umbringen, wie oft hast du daran gedacht, dich aber nicht getraut…
Der Boxkampf vermittelt dir eine psychologische Erleichterung. Du identifizierst dich mit einem der Boxer. Wenn er seinen Gegner hart ins Gesicht trifft und seine Nase zu bluten beginnt, dann freut dich das. Was du nicht selbst tun konntest, das macht jetzt jemand anderes für dich, stellvertretend für dich selbst.
In jeder geistig gesunden Welt wäre ein Boxkampf ein Verbrechen. Es ist ein Spiel, doch alle eure Spiele scheinen primitiv zu sein. Ohne Intelligenz, ohne Mitmenschlichkeit.
Osho, Beyond Enlightenment #24
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Junge – Junger Mann – Weiser Mann – ?
November 23, 2008
Der Junge lebt im Mann weiter und der junge Mann besteht im alten Mann fort. Was ist mit dem Greis, der vor dem Sterben steht? Wo lebt er weiter?
Bewusstsein setzt die Reise fort
Den Tod gibt es nicht, das liegt in der Natur der Sache. Es gibt nur Leben. Ja, das Leben verändert ständig seine Form – an einem Tag bist du dies und dann wieder etwas anderes. Wo ist das Kind, das du einmal warst? Ist es gestorben? Die Form hat sich verändert. Das Kind ist immer noch in seinem Wesen da, doch jetzt bist du zu einem jungen Mann oder einer jungen Frau geworden. Das Kind ist immer noch in all seiner Schönheit da, es wurde nur von neuen Reichtümern übertroffen.
Eines Tages wirst du alt geworden sein. Wo ist dann deine Jugend? Gestorben? Nein, wieder ist etwas Zusätzliches dazugekommen. Das Alter hat seine eigenen Früchte getragen, seine eigene Weisheit mit sich gebracht, seine eigene Schönheit.
Das Kind ist unschuldig, das ist der Kern seines Wesens. Die Jugend fließt über, sie ist voller Energie, das ist ihr Kern. Der alte Mensch hat alles gesehen und gelebt. Weisheit ist entstanden, das ist sein Kernstück. Doch diese Weisheit enthält auch etwas von der Jugend, sie ist ebenso überfließend, strahlend und vibrierend, sie ist sehr lebendig. Und, die Weisheit im Alter hat auch etwas vom Kind: die Unschuld.
Glaubst du, dass der alte Mensch stirbt? Ja, sein Körper verschwindet, denn er hat seinen Zweck erfüllt, doch das Bewusstsein setzt die Reise fort.
Osho, The Book of Wisdom #14
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Männliche und weibliche Energien in Balance
November 21, 2008
Oft leben wir Menschen im Ungleichgewicht, in uns ist entweder das männliche oder das weibliche Prinzip stärker als das andere. Das spiegelt sich dann auch in der Beziehung wider – die männliche Seite dominiert die weibliche, oder die weibliche manipuliert die männliche. Im Folgenden eine einfache Meditationstechnik, mit der beide Seiten ausbalanciert werden können.
Die „Golden Light Meditation“
(Das Geheimnis der Goldenen Blume)
Mache diese Meditation zweimal am Tag. Die beste Zeit ist früh morgens, kurz bevor du aufstehst. In dem Moment, in dem wach wirst, mache die Meditation 20 Minuten lang. Stehe nicht auf, sondern beginne gleich hier, im Bett.
Die zweitbeste Zeit zu meditieren ist in der Nacht, wenn du dich schlafen legst. Lege dich ins Bett und entspanne dich für ein paar Momente. Wenn du bemerkst, dass du fast am Einschlafen bist, wenn du in dem Zwischenraum zwischen Wachsein und Schlafen bist, dann mache die Meditation noch einmal 20 Minuten lang. Wenn du dabei einschläfst, dann ist das sehr gut, denn der Wirkung der Technik wird sich in deinem Unterbewusstsein erhalten und dort weiter fortfahren.
Nachdem du die Meditation 3 Monate lang gemacht hast, wirst du erstaunt feststellen, wie sich die Energie, die sich immer im Sexzentrum angesammelt hatte, nach oben bewegt.
Die Methode
Lege dich hin und schließe deine Augen. Wenn du magst, kannst du während der Meditation sanfte Musik hören.
Männliche Energie einatmen
Beim Einatmen visualisiere ein großes Licht, das oben durch deinen Kopf in den Körper einfließt. So, als ob über deinem Kopf eine Sonne aufgegangen wäre. Du bist innen völlig leer und hohl und das goldene Licht strömt in deinen Kopf und immer tiefer und fließt dann durch die Zehen wieder heraus. Lasse das goldene Licht durch deinen Kopf einströmen, denn dort wartet die goldene Blume. Das goldene Licht wird dich unterstützen. Es wird deinen ganzen Körper reinigen und ihn mit Kreativität erfüllen. Das ist die männliche Energie.
Weibliche Energie ausatmen
Wenn du dann ausatmest, dann stelle dir vor, dass Dunkelheit durch deine Zehen nach oben fließt. Ein großer, dunkler Strom, wie eine tiefe, dunkle Nacht, die hochsteigt und durch deinen Kopf wieder austritt. Das ist die weibliche Energie. Sie wird dich besänftigen, empfänglich und gelassen machen und dich entspannen.
Dann atme wieder ein und stelle dir das goldene Licht vor, das durch den Kopf einströmt.
Atme langsam und tief, damit du dir das alles vorstellen kannst. Nach 20 Minuten atme wieder normal und bleibe noch eine Zeitlang still liegen.
Osho
Musik zur Golden Light Meditation zum Download
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Nicht was, sondern wie
November 19, 2008
Nicht was wir tun, macht uns zum Meister, sondern wie wir es tun. Ob mit Achtsamkeit und Wachheit oder ohne. Selbst Stehlen kann uns zum Meister über uns selbst machen, wie auch jede andere Tätigkeit. Eine Zengeschichte.
Hundertprozentig dabei sein
Ein Mann war bekannt als Meister Dieb. Er war noch nie in seinem Leben erwischt worden, obwohl er aus jedem reichen Haus in der Stadt gestohlen hatte. Eines Tages begegnete dieser Meister Dieb dem Zen Meister Rinzai. Dieser schaute ihm in die Augen und sagte: „Mach´ dir keine Sorgen. Was immer du tust, sei hundertprozentig dabei und mit völliger Aufmerksamkeit. So drückt sich deine Buddha Natur aus.“ Der Mann sagte: „Aber du weißt gar nicht, was ich tue.“ Rinzai antwortete: „Das spielt keine Rolle. Es ist egal, was du tust. Ich kenne dich, ich weiß, dass du ein Meisterdieb bist und beneide dich wirklich darum. Ich bin kein so ein großer Meister in der Meditation, wie du es im Stehlen bist.“
Egal, was du machst, tue es total und du wirst die Buddha Natur in deiner Absolutheit finden. Es hat Metzger gegeben, die Meister geworden sind. Deren Meister haben sie nicht davon abgehalten, diesen Beruf auszuüben. Sie waren so perfekt in ihrem Tun. Zen ist die einzige Religion in der Welt, die dir alles erlaubt. Mache alles mit absoluter Achtsamkeit und alle deine Handlungen werden zu den Aktivitäten eines Buddhas. Du brauchst nicht verändern was du tust. Wenn du malst, dann sei bis in die Knochen ein Maler, so sehr, dass du verschwindest und nur das Bild übrig bleibt. Wenn du ein Musiker bist, ertrinke in deiner Musik, so, dass nur noch die Musik bleibt und nichts mehr von dir zu finden ist.
Deine Buddha Natur wird sich in Tausend Wegen zeigen. Du kannst alles zu einer Hingabe werden lassen, zu einer Meditation, zu etwas, das du dem Universum darbietest.
Osho, Dogen the Zen Master: A Search and a Fulfillment #6
–> Was passiert, wenn man meditiert?
Jahrtausende lange Suche
November 17, 2008
Normalerweise sind wir uns darüber nicht bewusst, doch leiden wir an einem großen Schmerz: Nicht zu wissen, wer wir sind. Alles was wir tun, unsere Wünsche und das Sehnen nach Glück und Liebe kommen aus der Suche nach sich selbst. Um sich zu finden, muss man nicht um die Welt gehen. Augen zu und ich bin da.
Zen Meister Basui beendet das Leid
Du musst nicht die ganze Welt aufsuchen. Es ist genug, sich ein kleines bisschen umzudrehen und alles, wonach du dich immer zutiefst gesehnt hast, wird sich plötzlich deinem Selbst eröffnen. Du hast nach dir gesucht und das war dein ganzes Leiden, denn du konntest dich nicht finden.
Du hast dich nicht im Wohlstand gefunden und auch nicht in der Macht über Andere. Du konntest deine so genannte Liebe nicht finden. Du hast überall gesucht, du bist Tausende von Wegen gegangen in Tausenden von Leben, aber du hast dich nie erreicht. Das ist der grundlegende Schmerz: Nicht zu wissen, wer man ist. Sich nicht über die eigene Ewigkeit bewusst zu sein, das ist das einzige Leid. Alle anderen Leiden sind nur kleine Ausläufer davon.
Zen Meister Basui sagt, dass es einen direkten Weg zu sich gibt. Dieser ist die Augen zu schließen und sich nach Innen zu wenden. Vergiss die Welt. Betrachte sie wie einen Traum. Das soll nicht heißen, dass sie wirklich ein Traum ist, die Methode ist nur ein Mittel, seine ganze Lebensenergie nach Innen zu richten.
Vergiss die ganze Welt, so, als ob sie ein Traum ist, als ob sie nicht bestehen würde. Nur du bist. Dann beginnt die ganze Energie in dein Zentrum zu fließen.
Osho, The Original Man #7
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Das Zen-Prinzip. Der Weg des Paradoxes
Farid und der Dieb
November 15, 2008
Wir machen uns selbst das Leben schwer. Die Situationen sind die gleichen, und doch führen uns Meister vor, wie anders sie ausgehen können, wenn man entspannt und ohne Vorurteile lebt.
Ein Meister ist in jeder Situation der Meister
Farid war ein großer Mystiker. Eines Nachts schlich sich ein Dieb in sein Haus. Der Dieb hatte schon einige Sachen von den Nachbarn eingesammelt und dachte: „Wenn ich schon mal auf dem Weg bin, dann schaue ich auch noch in das Haus des armen Meisters.“
Als er hereinkam, fand er nichts anderes als eine Bettelschale, einen Stab … solche Dinge, die sogar von dem ärmsten Mann gebraucht werden und er sammelte sie alle ein. Farid schlief, oder tat so, als ob er schlafen würde, schaute aber aus den Augenwinkeln zu. Als der Dieb alles zusammengeholt hatte, machte er sich daran, aus dem Haus zu gehen. Er hatte Farids Dinge mit den anderen Sachen, die er aus anderen Häusern gestohlen hatte, zusammengelegt. Er machte ein großes Bündel daraus und begann, es weg zu tragen.
Nach ein paar Schritten entdeckte er, dass ihm jemand folgte. Er schaute nach und war überrascht. Sheik Farid war sehr bekannt … — „Dieser Bursche hatte doch geschlafen, warum folgt er mir jetzt?“
Der Dieb fragte ihn also: „Farid, warum folgst du mir?“
Farid sagte: „Wir ziehen um.“
Der Dieb sagte, „Du lieber Gott, du willst wohl, dass ich dich mit in mein Haus nehme?“
Farid sagte: „Du hast doch sonst auch alles mitgenommen!“
Der Dieb sagte: „Ich habe noch nie so einen komischen Burschen gesehen, wie dich. Nimm’ dir deine Sachen!“
Farid sagte: „ Halbe-Halbe!“
„Meine Güte,“ sagte der Dieb, „aber diese Sachen gehören dir doch gar nicht, sie gehören anderen Leuten.“
Farid sagte: „Entweder Halbe-Halbe oder ich komme mit dir.“
Der Dieb musste nachgeben, Halbe-Halbe…! Er weinte, er hatte die Dinge unter so großem Risiko gestohlen. „Und dieser Typ, der tief geschlafen hatte, hatte keinen Mucks gemacht. Sonst hätte ich die Sachen nicht angerührt, sie sind sowieso wertlos.“
Farid sagte: „Natürlich bin ich derjenige von uns, der auswählt, deshalb werde ich jetzt die Dinge aussuchen, die zu meiner Hütte kommen und die, die zu dir gehen. Ich bin immer der Meister, in jeder Situation.“
„Das kann ich sehen. So wähle schnell aus, sonst wachen noch die Nachbarn auf und alles wird verloren sein. Nimm’ was du willst. Und kümmere dich nicht genau um Halbe-Halbe oder nicht.“
Farid war ein Mann mit großem Humor. Er schreibt in seiner Biografie: „Es war so eine Freude, die Dinge wieder zu verteilen. Am Morgen danach ging ich zu den Leuten und sagte ihnen: „Du kannst in meinem Haus deine Sachen holen, wenn sie dort sind. Ich konnte nicht alles bekommen, das wäre zu schwierig gewesen, dieser Mann war ein harter Brocken. Aber immerhin habe ich 60 Prozent geschafft. Nimm’ also deine Dinge und sei vorsichtig mit Dieben. Was mich anbelangt, so ist alles in Ordnung. Was kann er mir schon nehmen?“
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Wir tragen die Wunden der anderen
November 13, 2008
Normalerweise tragen wir nicht nur unsere eigenen Wunden, sondern auch noch die der anderen. Wenn wir nicht gelernt haben unbeteiligt und wachsam zuzuhören, nehmen wir bei jedem anteilsvollem Gespräch die Wunden des anderen mit auf. Meditation ist die einzige Möglichkeit, Wunden stehen zu lassen.
Bewusstsein kennt kein Unglück
Jeder trägt die Wunden von anderen Menschen. Zum einen liegt das daran, dass du in einer kaputten Gesellschaft lebst, wo die Leute wütend sind, voller Hass und es genießen, zu verletzen. Das ist die oberflächliche Ebene und leicht zu verstehen. Doch es gibt auch noch subtilere Ebenen. Sogenannte religiöse Heilige erschaffen in dir Schuldgefühle, sie verdammen dich als Sünder. Sie geben dir eine Idee, die dir Leiden verursachen wird.
Jeder gibt dem anderen sein Unglück weiter, mit dem er in Kontakt kommt. Die Leute reden ständig über ihre Leiden, ihre Sorgen und Konflikte. Hast du schon einmal jemanden über seine glücklichen Momente sprechen hören? Über seinen Tanz und seine Lieder? Über seine Stille und Glückseligkeit? Nein, darüber spricht man nicht. Die Leute teilen ihre Wunden miteinander und wann immer du über dein Leiden mit jemandem anderen sprichst, überträgst du deine Wunde an ihn, ohne es zu wissen. Die Person mag denken, dass sie dir nur zuhört, doch sie fängt sich auch deine Stimmung von Unglück, von einer Verwundung, mit ein.
Dein eigenes Bewusstsein hat keine Wunden. Dein eigenes Bewusstsein weiß nichts von Unglücklichsein. Dein eigenes Bewusstsein ist unschuldig und total glücklich. Um in Kontakt mit deinem eigenen Bewusstsein zu kommen, musst du jede Anstrengung unternehmen, dich aus dem Denken heraus zu ziehen. Es sind die Gedanken, die alle deine Wunden enthalten. Und sie erschaffen in einer solchen Art und Weise weitere Wunden, dass du es kaum bemerkst, außer du bist total wachsam und aufmerksam.
Schaue in deine Gedankenmuster, erkenne sie und denke daran, dass sie nicht dir gehören. Du bist nur der Zuschauer, der sich außerhalb davon befindet. Der einzige Weg aus den Mustern herauszukommen, die Leid verursachen, ist Wahrnehmen. Ich sage, es ist der einzige Weg, weil niemand den Gedanken entkommen kann, außer er wird zum Beobachtenden. Nimm alles wahr und plötzlich wirst du über dein eigenes Unglück lachen. Es ist deine Wahl, unglücklich zu sein. Du hast es dir so ausgesucht. Du kannst jeden Moment damit aufhören und tanzen und glücklich sein.
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Manchmal kommt die Erkenntnis erst am Sterbebett: Ich war lebendig und habe doch nicht gelebt!
Das Leben mit Bewusstheit erfüllen
In der Tradition des Zen gibt es ein Kriterium, um zu sehen, ob ein Mensch gelebt hat oder nicht: Der Tod. Nur ein Mensch, der gelebt hat, kann sterben. Du kannst es dir nicht leisten, zu gehen, wenn du nicht wirklich gelebt hast.
Ich habe von einem großen Schüler gehört, der erst, als er starb, erkannte, dass er lebendig gewesen war. Er sah plötzlich: „Du liebe Güte! Ich war lebendig und habe es gar nicht bemerkt.“
Die Meister im Zen zeigen die höchsten Gipfel an Bewusstheit in der Art wie sie sterben. Der Tod ist der Beweis. Wenn du anmutig sterben kannst, mit Seligkeit, fast tanzend, dann beweist das, dass du gelebt hast. Du hast zutiefst gelebt und weißt, dass Sterben nur bedeutet, das Haus zu wechseln.
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