Durch Meditation seine eigene Autorität finden
August 16, 2009
Ein Meister ist Meister über sich selbst
Diogenes und die Diebe
Eines Tages wurde Diogenes von Dieben gefangen, die ihn zum Sklavenmarkt brachten. Diogenes war ein sehr schöner kräftiger Mann, es gibt nur wenige Menschen mit vergleichbarer Schönheit.
Ein Meister steht zum Verkauf!
Die Diebe stellten ihn auf den Sklavenstand und boten ihn zum Verkauf an. Diogenes stand unbeteiligt dort, lächelte, summte ein Liedchen vor sich hin und war völlig unberührt von dem, was um ihn herum geschah.
Da sah er einen jungen Mann in der Menge, einen reichen Mann, wie seine Kleider verrieten. Dieser stand ziemlich abwesend dort, womöglich war er betrunken. Er stand fast wie im Schlaf in der Menge, er sah niedergeschlagen und traurig aus. Ein schweres Leid umgab ihn.
Diogenes sagte zu den Dieben, die ihn zum Sklavenmarkt gebracht hatten: „Verkauft mich an diesen Mann. Er sieht aus, als ob er einen Meister gebrauchen könnte.“
Die Autorität eines Meisters
Meister ihres Wesens
Jesus, Diogenes, Buddha, Mahavir, sie alle haben ihre eigene Autorität. Sie sind Meister ihres eigenen Wesens.
Du bist hier, um du selbst zu sein
Sei dir selbst eine Autorität. Du bist nicht hier, um irgendjemandem zu folgen. Du bist hier, um du selbst zu sein. Der tiefste, innere Kern deines Wesens gibt dir die Autorität für alles, was du tust. Solange du keine eigene Klarheit und Gewissheit hast, wirst du in die Irre gehen. Mal wirst du diesem und mal jenem folgen. So wirst du nicht wirklich erfüllt und glücklich sein.
Osho, Zitat-Auszug aus Come Follow Yourself, Vol 3, #5
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Über die Leichtigkeit des Lebens
Juli 22, 2009
Das Leben ist aus Sand gebaut
„Gautam Buddha kam in ein Dorf. Am Rand des Dorfes floss ein Fluss vorbei, an dessen Ufer mehrere Kinder mit Sand spielten. Sie bauten Sandburgen und waren total ernst bei der Sache. Wenn einer der Kinder die Sandburg eines anderen durcheinander brachte, dann schrieen sie sich an und waren furchtbar wütend aufeinander. Das passierte schnell, denn Sandburgen sind nicht stabil, ein kleiner Stein geworfen und sie sind hinüber.
Buddha stand da und schaute zu. Dann wurde es Abend und die Mütter der Kinder riefen sie nach Hause: „Kommt jetzt heim, es ist Zeit fürs Abendessen.“ Da sprangen sie alle auf ihren eigenen Burgen herum, genau denen, die sie kurze Zeit vorher so energisch verteidigt hatten. Sie hüpften auf ihnen herum und gingen einfach nach Hause – ohne sich noch einmal umzudrehen.
Buddha sagte zu seinen Schülern: „Das Leben ist nicht viel anders.“
Deine ganze Ernsthaftigkeit bezieht sich auf Sandburgen. Eines Tages wirst du sie verlassen müssen, du wirst sie einstürzen und nicht mehr zurückschauen. Die Leute, die alles ernst nehmen, verpassen die Schönheit, die in der Leichtigkeit des Lebens liegt.“
Osho, Nansen: The Point of Departure #6
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Mulla Nasruddin und seine letzte Hoffnung
Juli 4, 2009
„Nimm’ mir bloß nicht meine Hoffnung!“
„Mulla Nasruddin saß im Zugabteil, als der Schaffner ihn um seinen Fahrschein bat. Mulla durchsuchte alles – sein Gepäck, seine Hosentaschen, seine Jackentaschen, alles.
Der Schaffner stand neben ihm und sagte schließlich: „Du hast in jeder Tasche nach dem Fahrschein gesucht, doch die obere linke Tasche in deinem Mantel hast du ausgelassen.“
„Mische dich nicht in meine Arbeit ein“, verwies in Mulla. „Erwähne diese eine Tasche nie mehr!“
„Du bist ja komisch,“ sagte der Schaffner. „Ich möchte dir doch nur beim Suchen helfen, du findest doch den Fahrschein nicht. Vielleicht ist er ja dort… Warum nur siehst du nicht in dieser einen Tasche nach?“
Hoffen, um nicht die Realität zu sehen
Mulla Nasruddin erklärte es ihm: „Diese eine Tasche ist meine einzige Hoffnung. Wenn der Fahrschein nicht in dieser Tasche ist, dann ist alles vorbei. Ich schaue also lieber überall sonst nach, nur nicht dort. Nur ganz zum Schluss, wenn ich wirklich keine andere Hoffnung mehr habe, dann ist das meine letzte Zuflucht. Dann werde ich vielleicht in die Tasche schauen. Sie ist meine letzte Hoffnung, du darfst sie mir nicht nehmen!“
Osho, Zitat-Auszug aus The Language of Existence #1
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Eine Sufi Geschichte: Nicht unterteilen
Juni 22, 2009
Aus einer Schale essen
„Es waren einmal zwei Männer, die genau das gleiche Essen bekamen, nur hatte der eine zwei Schalen, während der andere nur eine besaß. Der Mann mit den zwei Schalen unterteilte das Essen in süßes und bitteres und legte das Bittere in die eine Schüssel und das Süße in die andere. Der Mann mit nur einer Schale mischte natürlicherweise das Bittere mit dem Süßen durcheinander. Mit der Zeit wurde der erste Mann immer dünner und schwächer, während der zweite, der genau das gleiche Essen bekam, täglich gesünder wurde. Schließlich sah der erste Mann seinen Tod kommen und fragte den anderen verzweifelt, was das Geheimnis seiner Stärke und Vitalität sei.
Süßes und auch Bitteres stärken
„Du hast zwei Schalen,“ sagte dieser, „in der du Bitteres von Süßem getrennt und dich nach deinen geschmacklichen Vorlieben gerichtet hast. Du hast dem Essen nicht erlaubt, dich mit seinem eigenen inneren Leben zu erhalten. Doch ich hatte nur eine Schale und vermischte also alles miteinander, ich wurde nicht von meinen Geschmacksnerven an der Nase herum geführt. Was immer mir gegeben wurde, das habe ich einfach angenommen und es hat nicht aufgehört, mich ständig zu nähren, Gott sei gedankt.“
Der erste Mann erhob sich von seinem Totenbett und mit großer Anstrengung nahm er eine der Schalen und zerbrach sie in 1000 Stücke. Von nun an aß er dankbar aus der übrig gebliebenen Schale sein Essen, das ihm sein Freund gab und wurde wieder heil.
Außen trennen = innen geteilt sein
Das ist eine wunderschöne Sufi Geschichte. Wenn das Leben außen einteilst, dann wirst du auch innen geteilt sein. Wenn du es in gut und schlecht aufteilst, in Gott und den Teufel, in Bewusstsein und Unbewusstsein, in Himmel und Hölle, dann werden diese Einteilungen auch eine Teilung in dir selbst erschaffen. Du wirst zweigeteilt sein.
Wir haben eine sehr duale Ideologie. Gott ist Licht, doch wer ist dann die Dunkelheit? Dann muss es zwei Götter geben, der Gott der Dunkelheit ist auch da. Wenn du so denkst, dann bist nicht nur du selbst schizophren, sondern das ganze Universum wird schizophren.
Stark und zerbrechlich zugleich
Nein, der Tag ist wunderschön und die Nacht auch. Der Tag ist göttlich, genau wie die Nacht. Es ist besser, wenn du beides isst, den Tag und die Nacht. Es ist gut, nur aus einer Schale zu essen. Esse Süßes und Bitteres, Gutes und Schlechtes, Bewusstsein und Unbewusstsein. Genieße beides und du wirst genährt sein und sehr sehr stark werden. Deine Stärke wird nicht das Gegenteil von Schwäche sein, nein. Je stärker du wirst, desto zerbrechlicher wirst du auch sein. Das ist die absolute Schönheit, wenn ein starker Mensch zerbrechlich wie eine Blume wird. Stark wie ein Schwert und zerbrechlich wie eine Blume.“
Osho, Zitat-Auszug aus Ecstasy – The Forgotten Language #5
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Buddhas Geschichte über die blinden Gelehrten
April 24, 2009
Buddha war ein wahrer Meister, die Inhalte von Meditation verständlich zu machen. In seinen einfachen Geschichten wird alles gesagt, man braucht eigentlich nur wirklich zuzuhören…
Meditation bedeutet sehen
(nicht reden)
„In dem Hofstaat eines Königs begannen die Gelehrten über Göttlichkeit zu debattieren. Der König war kein normaler König, er war ein echter König – ein König der inneren Welt. Sein Königreich im Außen war ihm nur durch einen Zufall gegeben worden.
Damals lag ein großer König im Sterben. Er hatte keinen Sohn. Noch vor seinem Tod verfasste er seinen letzten Willen, dass, wer auch immer am nächsten Morgen als erstes die Stadt betrete, König werden sollte.’ Es war nur ein Zufall, dass dieser meditierende Mann der erste war, der durch das Tor ging. Er wurde also König. Schon vorher war er König seiner inneren Welt geworden.
Was ist ein Elefant?
In seinem Hofstaat diskutierten die Gelehrten über Göttlichkeit. Der König lachte und sagte: „Passt einmal auf, sammelt alle blinden Leute in der Stadt“. Das geschah und der König fragte die Blinden: „Wisst ihr, was ein Elefant ist?“ Und sie antworteten: „Ja“.
Dann gab es eine große Diskussion. Der eine Blinde sagte „Ein Elefant sieht so aus,“ ein anderer sagte: „Ein Elefant sieht doch so aus…“ Ihre Aussagen widersprachen sich völlig. Einer der Blinden hatte nur den Körper berührt, der andere hatte das Ohr angefasst, der dritte nur das Bein getastet… und so weiter. Ihre Beschreibungen waren so unterschiedlich, wie man es sich nur vorstellen kann.
Was ist Göttlichkeit?
Der König sagte zu seinen Gelehrten: „Hört zu, diese blinden Leute können sich nicht darüber einigen, was ein Elefant ist. Sie haben alle etwas vom Elefant wahrgenommen – und ihr? Die Blinden haben zumindest etwas von einem Elefanten berührt… doch ihr habt noch nicht einmal einen Teil von Gott mitbekommen und streitet euch darüber. Ihr seid blinder als diese blinden Leute. Was ihr auch sagt, es ist alles Unsinn. Ihr könnt die Heiligen Schriften zitieren, doch das hilft nicht.
Nur sehen hilft!
Du weißt überhaupt nichts, außer du hast Göttlichkeit wirklich gesehen.“
Osho, Zitat-Auszug aus The Perfect Master Vol.2 #1
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Der alte Meister im Himalaya
März 21, 2009
Meister arbeiten auf komische Weise, um die Suchenden zu Erkenntnissen zu bewegen. Ein alter Meister versteckt sich im Himalaya, bis der Schüler voller Erschöpfung die Suche nach ihm aufgibt. Der Hilfesuchende findet ihn nicht, er bekommt keine Hilfe. In dem Moment völligen Loslassens geschieht Erkenntnis, Meditation.
Erschöpfung und Meditation
„Ein Mann war sehr an Selbsterkenntnis und Meditation interessiert. Seine ganze Suche richtete sich darauf, einen Meister zu finden, der ihm Meditation lehren würde. Er ging von einem Meister zum nächsten, doch nichts passierte.
Jahre gingen vorbei, er war müde und zutiefst erschöpft. Dann sagte ihm eines Tages irgendjemand: „Wenn du einen wirklichen Meister finden willst, dann musst du in den Himalaya gehen. Dort lebt ein alter Meister in einem unbekannten Teil der Berge. Du wirst ihn suchen müssen. Eines ist sicher, es gibt ihn und er ist dort. Niemand weiß genau wo, denn er geht immer noch tiefer in die Berge hinein, wenn ihn jemand gefunden hat.“
Suche nach einem Meister ohne Adresse
Der Sucher wurde langsam alt, deshalb nahm er seinen ganzen Mut zusammen und bereitete sich auf den Weg vor. Um das Geld für die Reise zu verdienen, musste er zwei Jahre lang arbeiten. Dann ging es los. Er ritt auf Kamelen und Pferden und dann ging es zu Fuß weiter. Irgendwann erreichte er den Himalaya. Die Leute sagten: „Ja, wir haben von dem alten Mann gehört. Er ist sehr alt, man weiß nicht genau, wie alt er wirklich ist, vielleicht 300 Jahre oder sogar 500 Jahre alt. Keiner weiß es genau. Er lebt irgendwo, den Ort können wir dir nicht beschreiben. Keiner weiß genau, wo du ihn finden kannst, doch es gibt ihn. Wenn du ihn intensiv genug suchst, dann wirst du ihn finden.“
Erfolglose Suche, zu Tode erschöpft
Der Mann suchte und suchte und suchte. Zwei Jahre lang trieb er sich im Himalaya herum. Er war müde und erschöpft, zu Tode erschöpft. Er lebte von wilden Früchten, Gras und Blättern. Er war ganz abgemagert. Aber er war immer noch entschlossen, diesen Mann zu finden. Selbst wenn es ihn umbringen würde, das war es wert. Und tatsächlich: Eines Tages sah er eine kleine Grashütte. Er war so müde, dass er nicht einmal mehr fähig war, zu laufen. Er kroch zur Hütte. Es gab keine Tür. Er schaute hinein, es war niemand darin. Nicht nur, dass niemand in der Hütte war, sondern es sah auch noch so aus, als ob schon seit Jahren niemand mehr in der Hütte gelebt hatte.
Die Wendung: „Ich gebe auf!“
Du kannst dir vorstellen, was mit dem Mann passierte. Er fiel zu Boden. Aus tiefer Erschöpfung sagte er: „Ich gebe auf.“ So lag er da, er fühlte die Sonne und die kühle Brise, die vom Himalaya kam. Zum ersten Mal war er so glücklich, wie er sich noch nie vorher gefühlt hatte. Plötzlich fühlte er sich voller Licht. Plötzlich verschwanden alle Gedanken, plötzlich war er in eine andere Wahrnehmung getragen und das völlig ohne Grund, denn er hatte nichts getan.
Da wurde ihm plötzlich bewusst, dass sich jemand über ihn gebeugt hatte. Er öffnete die Augen. Es war ein sehr alter Mann.
Der alte Meister lächelte und sagte: „Du bist also gekommen. Willst du mich etwas fragen?“
Der Mann sagte: „Nein“.
Da lachte der alte Mann, es war ein tiefes Lachen aus dem Bauch heraus, das im ganzen Tal widerhallte. Er sagte: „Weißt du jetzt, was Meditation ist?“
„Ja.“
Aufgeben führt zum Grunde des Wesens
Was war geschehen? „Ich gebe auf“ – dieser Satz war aus dem tiefsten Grunde des Wesens gekommen. Genau durch dieses völlige Aufgeben verschwanden alle zielgerichteten Anstrengungen und Bemühungen. „Ich gebe auf.“ In diesem Moment war der Sucher nicht mehr die gleiche Person gewesen. Das Glück regnete auf auf ihn herab. Er war still, er war ein Niemand, und er berührte die letztendliche Schicht von Nicht-Sein in sich. Da wusste er, was Meditation ist.“
Osho, Zitat-Auszug aus The Book of Wisdom #9
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Meister Baal Schem Tow und die Brille
Februar 21, 2009
Meister haben ihren Eigenarten, so auch der jüdische Meister Baal Schem Tow. Er brauchte eine Brille, nicht etwa um besser zu sehen, sondern um aus der Welt der Meditation und Liebe zurück in die Welt von Gedanken und Differenzierungen zu gelangen.
Grenzenlose Weitsicht
„Es wird über den großen chassidischen Meister Baal Shem Tow gesagt, dass er normalerweise keine Brille benutzte, doch wann immer er mit einem Philosophen oder einem Wissenschaftler sprach, setzte er sich sofort die Brille auf. Das war ungewöhnlich und seine Schüler fragten sich, was wohl dahinter stecke.
„Was ist los?“ fragten sie. „Du benutzt doch sonst keine Brille?“
Der Meister lachte. Was er antwortete, ist bedeutsam.
„Mit euch kann ich in meinem normalen Zustand bleiben, ich muss mich nicht von ihm entfernen. Meine Augen können nicht mehr unterscheiden. Ihr und der Baum und der Fels, ihr seid alle eins. Wenn ich mit einem Schüler spreche, dann brauche ich nichts auszugrenzen. Ich spreche zur gleichen Zeit zum Schüler, zum Baum, zum Felsen, zu den Sternen und dem Himmel. Alles ist eins. Denn ich spreche aus Liebe. Ich überschütte euch mit meiner Liebe und werde von eurer überschüttet.“
Eine Brille, um Grenzen wiederzufinden
Er fährt fort: „Doch wenn ein Philosoph kommt, dann muss ich von meiner normalen Art zu seinem Denken hinabsteigen. Ich muss mir eine Brille aufsetzen, damit ich blind werde, damit ich die große Vision verliere. Meine Augen werden durch die Brille eng gemacht, denn ein logischer Mensch besteht auf Unterscheidungen. Die Dinge sollen seiner Meinung nach eingeordnet und definiert werden. Liebe kennt keine Definition und keine Abgrenzung.““
Osho, Auszug aus The Perfect Master Vol.2 #5
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Der Zen-Meister und das Erdbeben
Januar 22, 2009
Gleichgültig, wie ausweglos eine Situation auch aussehen mag, der meditierende Mensch hat immer eine Zuflucht. So auch der Zen-Meister in der folgenden Geschichte. Während eines Erdbebens rennt er ebenso wie die anderen – zum immer bestehenden Zentrum der Stille.
„Ich flüchte auch – nach innen!“
Einmal wurde ein Zen Meister zu einem Treffen eingeladen. Ein paar Freunde saßen miteinander und aßen gemeinsam, als plötzlich ein Erdebeben geschah. Das Haus, in dem sie saßen, war sieben Stockwerke hoch und sie befanden sich im obersten Stock. Ihr Leben war in Gefahr. Jeder versuchte, zu fliehen. Während der Gastgeber entfloh, warf er noch einen schnellen Blick auf den Zen Meister. Der saß, ohne der geringsten Ängstlichkeit im Gesicht mit geschlossenen Augen auf seinem Stuhl, ganz genauso, wie er vorher dort gesessen hatte.
Der Gastgeber fühlte sich ein wenig schuldig und wie ein Feigling, denn es sah komisch für ihn aus, dass der Gast da blieb und der Gastgeber wegrannte. Die anderen zwanzig Gäste waren alle die Treppen hinunter gelaufen. Obwohl er vor Angst zitterte, hielt er an und setzte sich neben den Meister.
So, als ob nichts geschehen wäre…
Das Erdbeben kam und verschwand wieder. Der Meister öffnete die Augen und begann in seiner Unterhaltung fortzufahren, die er wegen des Erdbebens unterbrechen hatten müssen. Er fuhr genau mit dem gleichen Satz fort, so, als ob es das Erdbeben überhaupt nicht gegeben hätte.
Der Gastgeber war wirklich nicht in der Stimmung, ihm zuzuhören, denn sein ganzes Wesen war tief erschüttert und voller Angst. Obwohl das Erdbeben jetzt vorüber war, hatte er immer noch Angst. Er bat den Meister, mit dem Sprechen aufzuhören. „Ich kann dir nicht zuhören, ich bin nicht ich selbst. Das Erdbeben hat mich zu sehr erschüttert. Aber ich habe eine Frage an dich: Alle anderen Gäste sind geflüchtet, doch du bist, so ungestört und so gelassen hier gesessen, dass ich mir wie ein Feigling vorkam. Wir alle versuchten, dem Beben zu entkommen. Was war mit dir?“
Der Meister sagte: „Ich flüchtete auch, doch ihr seid nach außen gerannt, ich bin nach innen geflüchtet. Eure Flucht macht keinen Sinn, denn wo auch immer ihr hingeht, da ist das Erdbeben. Ihr mögt den 6. Stock erreichen oder den 5. oder den 4… Doch überall bebt die Erde. Ich bin dorthin geflüchtet, wo das Erdbeben niemals hinkommt, ja niemals hinkommen kann. Ich rannte in mein inneres Zentrum.
Halte dich an Stille fest
Das ist, worauf Laotse hinweist, wenn er sagt: „Halte dich am Urgrund der Stille fest.“ Wenn du passiv bist, dann wirst du dir nach und nach deines Zentrums bewusst werden. Du hast es schon immer mit dir getragen, es war immer da, du weißt es bloß nicht, du lenkst keine Aufmerksamkeit darauf. Wenn dir die Stille einmal bewusst wird, dann verändert sich dein ganzes Leben. Dann kannst du in der Welt sein und dabei immer in Kontakt mit deinem Zentrum bleiben. Du kannst dich in einem Erdbeben bewegen und völlig gelassen dabei sein, denn in deinem Zentrum bleibst du unberührt.
Osho, Auszug aus Tao: The Three Treasures Vol.2 #1
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Wie ein Fisch im Wasser
Januar 16, 2009
Wir leben wie die Fische im Wasser, die sich nicht über das Element bewusst sind, das sie trägt. Wir leben in Göttlichkeit, in Bewusstsein, ohne auch nur irgendetwas davon zu ahnen. Meditation hilft, wahrzunehmen und zu sehen.
In diesem Moment schwimmst du in Bewusstsein
Eine alte Geschichte:
Ein junger, sehr philosophisch angehauchter Fisch fragte einen anderen Fisch: „Ich habe soviel vom Meer gehört, wo ist das eigentlich? Ich möchte dem Meer begegnen.“ Alle Fische, die er fragte, zuckten mit den Schultern und antworteten das gleiche: “Wir haben auch schon vom Meer gehört, doch haben keine Ahnung, wo es ist.“
Ein alter Fisch zog den jungen auf seine Seite: „Es gibt kein anderes Meer als das, in dem wir sind. Wir sind im Meer. Wir werden darin geboren, wir leben darin, wir sterben darin. Das hier ist das Meer.“
Genauso geht es uns. Wir sind in Göttlichkeit geboren, wir leben in Göttlichkeit, wir sterben in Göttlichkeit. Bedenke nur eines: Du kannst durch diese unglaubliche Erfahrung des Lebens schlafend oder völlig wach hindurchgehen.
Meditation ist der Weg, dich bewusst und wach zu machen. Wenn du einmal vollkommen bewusst bist, dann ist jeder Boden das Meer von Göttlichkeit. Dieses kleine Leben, genau dieses Bewusstsein ist göttlich. Es drückt sich in allen Formen aus – in den Rosen und Lilien, in den Vögeln und den Bäumen. Wo auch immer das Leben ist, es ist nichts anderes als Göttlichkeit. Wir leben in einem Meer von Göttlichkeit. Suche also nicht irgendwo danach. Schaue einfach nach innen, denn dort ist der nächste Punkt, den du finden kannst.
Osho, Auszug aus Rinzai: Master of the Irrational, # 8
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Ein ungewöhnlicher Meister: Jabbar
Dezember 29, 2008
Die Meister der Sufi Tradition haben ihre ureigenen Methoden, Suchern klar zu machen, was Bewusstsein ist. Die tanzenden Derwische sind Sufis, ebenso wie Jabbar, ein ganz ungewöhnlicher Sufi Meister. Er brabbelte und machte unsinnige Laute, um seinen Schülern das Unerklärliche sichtbar zu machen.
Bewusstsein ist nicht in Worte zu fassen
„Das Wort ‚Gibberisch’ kommt von dem Namen eines Meisters aus der Sufi Tradition, er hieß Jabbar. Er sprach nur Unsinn, denn ihm war klar, dass alles, was man über Bewusstsein sagen kann, nur Unsinn ist. Warum sollte er dann auch nur so tun, als ob seine Worte einen Sinn hätten?
Jabbar sprach wirklich kompletten Unsinn. Er benutzte Töne und sinnlose Wörter. Keiner konnte verstehen, was er sagte. Jeder hatte Gelegenheit, seine eigene Interpretation zu finden. Jabbar hatte viele Schüler, denn wenn man nicht versteht, was der Meister sagt, dann ist es leicht, ihm nachzufolgen. Jeder kann seine eigene Meinung in ihn hinein interpretieren.
Wenn du zum Beispiel Jabbar gefragt hättest: „Glaubst du an Gott?“, dann hätte er vielleicht darauf geantwortet: „Huuhuu!“ Dann hättest du herausfinden müssen, was „Huuhuu!“ bedeutet. Ganz besonders Gescheite werden sich zusammengereimt haben, dass es etwas mit Allah-Hu zu tun hat, dass der Meister nur einen Hinweis geben wollte und so weiter…
Manchmal tat Jabbar auch ganz absurde Dinge. Jemand hatte die Frage gestellt: „Was ist Gott?“ und er stellte sich sofort auf den Kopf. Es lag an dem Schüler herauszufinden, was das bedeuten solle. Jeder ist gewitzt genug, um eine Antwort zu finden. Der eine denkt vielleicht, es sei ein Hinweis von Jabbar darauf, dass alles auf dem Kopf stehe. Jabbar würde alles, was jemand bisher gedacht habe, auf den Kopf stellen. Einige seiner Schüler kamen daraufhin auf die Idee, die heiligen Schriften rückwärts zu lesen!
Eines war wirklich gut an Jabbars Technik: Jabbar hat bestimmt das ganze Theater sehr genossen! Er muss seinen Spaß daran gehabt haben, wie viele Interpretationen die Leute so finden können.“
Osho, Auszug aus The Book of Wisdom #19
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