Einfach leben, einfach sterben
Januar 20, 2009

Bewegungsloser Dunstschleier
Mond, Frühling, Schlaf.
„Kyorai beschreibt das Leben: „Bewegungsloser Dunstschleier. Mond, Frühling, Schlaf“ – das Leben ist einfach, ohne Komplikationen.
Jemand, der meditiert, lebt sein Leben in Einfachheit: der Mond, der Frühling, der Schlaf – und der Mensch ist vollkommen erfüllt. Ein kleiner bewegungsloser Dunstschleier und dann geht der Mond auf und der Frühling kommt – es gibt Blüten – und dann kommt der Schlaf.
Wenn du das Leben in so einer einfachen Art erfahren kannst, mit ein bisschen Tanzen, mit ein wenig Lieben, mit ein bisschen Spielen, mit ein wenig Lachen und ein wenig Musik, und dann kommt der ewige Schlaf… Dann wird das Leben zu einem einfachen Spiel. Bald wird es vorbei sein.
Das Leben wird einfach, wenn wir akzeptieren können, dass das Drama aufhören wird. Wir sind nur die Spieler eines Spiels, das nicht ewig andauern wird. Wir müssen den Platz für andere Spieler freimachen. Durch diese Akzeptanz wird das Leben sehr einfach, ohne Komplexität und ohne Wettstreit mit anderen Menschen. Man lebt still und friedlich und bereitet sich auf den ewigen Frieden vor, die ewige Stille, den ewigen Schlaf.“
Osho, Auszug aus The Zen Manifesto: Freedom from Oneself #6
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Die Welt – ein Spiegel
Oktober 14, 2008
Anfangs ist Meditation bloßes Üben. Nach und nach bleibt der Geschmack, den man während des Übens bekommen hat. Dann verändert sich die Welt. Die Schönheit des Lebens enthüllt sich überall.
Über die Erhabenheit eines Fischreihers
Der wilde Fischreiher
er schläft –
ungestörte Erhabenheit
Haiku von Basho
Hast du schon einmal einen wilden Fischreiher schlafen gesehen?
Basho sagt: ungestörte Erhabenheit. Zu dem wirst du, wenn Stille passiert – zu ungestörter Erhabenheit. Plötzlich wirst du zum Kaiser. Verständnis schenkt dir das ganze Universum. Es nimmt alles weg, was falsch ist und schenkt dir die ganze Wahrheit: alles, was schön ist, alles was anmutig und eine reine Freude ist.
Ein Mensch wie Basho – ein Mensch tiefer Meditation – sieht den Zustand der Meditation überall. Sogar in einem schlafenden Fischreiher sieht er ungestörte Erhabenheit. In dem Flug eines wilden Vogels sieht er unglaubliche Freiheit. Im Himmel spiegelt sich sein eigenes Nichts wider.
Ein Mensch in Meditation wird alles in neuem Licht sehen. Eine wilde Blume wird schöner aussehen. Jesus sagt: „Schau dir die Lilien auf dem Feld an. Sie sind schöner als König Salomon in all seiner Pracht.“
Für den Menschen der Meditation wird alles völlig neu und frisch, jung und lebendig. Er strahlt Liebe, Mitgefühl und Freude aus.
Osho, The Zen Manifesto: Freedom from Oneself #8
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Meditation öffnet die Hand
August 29, 2008
Im Leben halten wir vieles fest, im Sterben öffnet sich die Hand. In der offenen, entspannten Handfläche liegt das Universum.
Das Universum in der offenen Hand
Die Sonne und den Mond
in seinem Ärmel* haben;
das Universum
in einer Handfläche.
Als Alexander der Große starb, sagte er zu seinen Ministern: „Lasst meine Hände aus dem Sarg hängen.“
Sie sagten: „Komische Idee!“ Davon hatte niemand jemals etwas gehört. Niemand hatte das je vorher so gemacht. Ein Toter sollte sich anständig benehmen und seine Hände im Sarg lassen.
Aber Alexander sagte: „Das ist mein Befehl und er soll erfüllt werden! Das ist mein letzter Wille. Es ist egal, ob das schon einmal jemand gemacht hat oder nicht, bei mir wird es so gemacht werden. Lasst meine Hände aus dem Sarg hängen!“
Sie fragten ihn: „Doch was steckt hinter deinem Wunsch?“
Alexander antwortete: „Millionen von Leute werden kommen und das sehen. Ich möchte es für alle deutlich machen, dass ich mit geschlossenen Fäusten auf die Welt kam, mit großen Erwartungen, mit großen geheimen Wünschen – und ich gehe total frustriert aus dieser Welt, mit offenen Händen. Ich nehme nichts mit mir mit. Alles hat sich als reine Einbildung herausgestellt.“
Die Sonne und den Mond
in seinem Ärmel* haben;
das Universum
in einer Handfläche.
Dieses Haiku ist in sich vollkommen. Erinnere dich einfach an die offene Hand, an deinen Ärmel*. Die verschlossene Hand ist am ärmsten, sie hat nichts in sich.
Meditation führt zu einer offenen Hand. Der Verstand versteckt deine Wünsche, deinen Ärger, deine Enttäuschungen, deinen Kummer vor dir selbst – in der geschlossenen Hand.
Meditation ist die Öffnung der Faust. Das ganze Universum liegt in deinen offenen Händen.
OSHO, The Miracle #10
*Die Übersetzung des Ausdrucks „Ärmel“ ist mir unklar. Das englische Wort „Sleeves“ bedeutet Ärmel, kann aber auch als Hülle übersetzt werden. Es wird vielleicht auf die Umhüllung des Körpers hingewiesen, der die Sonne und den Mond in sich trägt …
—> Weitere Osho Zitate zum Thema Sterben als Höhepunkt des Lebens
Die ganze Natur ruft die Wahrheit
Juli 2, 2008
Meditation bedeutet, wacher, empfänglicher, sensibler zu werden und das „Ich“ dahin schmelzen zu lassen… zur reinen Natur zu werden. Die Existenz hilft, ruft und zeigt uns die Wahrheit ständig und auf vielen Wegen.
Die Predigt der alten Kiefer

Eine alte Kiefer predigt Weisheit
und ein wilder Vogel
schreit die Wahrheit
Du brauchst nur wach und aufmerksam zu sein und du findest die ganze Natur voller Weisheit. Die ganze Existenz ruft aus den unterschiedlichsten Quellen nach der Wahrheit.
Eine alte Kiefer predigt Weisheit
und ein wilder Vogel
schreit die Wahrheit
Das ist ein sehr bedeutsames Haiku. Du brauchst nur deine Augen zu öffnen, empfänglich zu sein, sensibel und aufmerksam, und die ganze Existenz wird zu deinem Zuhause.
Zen kümmert sich nur um deine Entspannung, denn nur in einem Zustand von Entspannung sinkt man tief in die ursprünglichen Quellen des Lebens. Dort findet sich solch eine Freude, dass es egal ist, ob man als „Ich“ weiter besteht oder nicht. Die Freude besteht, das Leben, die Natur, die Erleuchtung … Von jeder kleinsten Ecke fließt Weisheit zu dir, jeder Vogel drückt Wahrheit aus, jede Blüte Schönheit, jeder Berg, jeder Fluss … ist in tausendfacher Herrlichkeit.
Es gibt nicht etwa eine Erlösung für dich, es gibt nur die Möglichkeit, dich im Höchsten aufzulösen. Es gibt nichts Größeres, nichts was majestätischer oder wundervoller ist.
Osho, The Zen Manifesto: Freedom from Oneself #2
Ein Haiku von Basho
April 12, 2008
Haikus, das sind japanische Gedichte, die zwar Worte benutzen, in Wirklichkeit aber Bilder malen. Sie malen das Unmögliche: Stille, Bewusstheit, Meditation.
In vollkommener Stille

Für seinen Morgentee setzt sich ein Mönch in vollkommener Stille hin … Tee wird mit Bodhidharma assoziiert, der Zen nach China brachte. Er liebte Tee und seltsamerweise hilft Tee tatsächlich, wach zu bleiben. Oft, wenn man still sitzt, passiert es, dass man einschläft. So ist Tee etwas Besonderes für die Zen Meditation geworden.
Bereit für seinen Morgentee
setzt sich ein Mönch ganz still hin –
und nimmt die Chrysanthemen wahr.
Basho malt mit diesem Haiku ein Bild. Unter einem Chrysanthemen Baum sitzt ein Sucher in vollkommener Stille, bereit, seinen morgendlichen Tee einzunehmen. Nichts wird gesagt — nur ein stiller Mönch, der auf seinen Tee wartet.
Osho, Hyakujo: The Everest of Zen, with Basho´s Haikus #2
Hingabe an die Realität
März 29, 2008
Ich habe ungefähr 30 Websites zu dem Thema Meditation und Sterben befragt, und keine zündet mich an. Ich habe köstliche Weisheiten gelesen, wunderbare Worte, auch aus Erfahrung, doch nichts erreicht mich wirklich. Den ganzen Tag über warte ich darauf, dass Klarheit zum Thema für den heutigen Noseletter entsteht. Ich habe soviel meditiert in meinem Leben, ich werde doch wohl beschreiben können, was es heißt, in der Meditation zu sterben! Ich habe es doch selbst erlebt.Ich stehe auf, gehe zum Kühlschrank, dann zur Schokolade, dann zum Bett, dann zu eingehenden Emails, dann zu den Fischen und wieder zurück zum Noseletter. Ich lese, verarbeite… und lese wieder Einsichten über den Tod des Egos, über Dharma, über Tao, über All Eins Sein, über loslassen, über da sein lassen, über nichts tun können und nichts tun, beobachten, wahrnehmen, sich hingeben, sich auflösen… über bewusste Dankbarkeit, über die innere Natur, über spirituelle Krisen, über Gier und Hass als Urgrund des Nicht Verstehens, über die Illusion des ICH …
Doch was ich auch lese, es bleiben Worte. Ich schaue bei mir: Viele Vorstellungen sind auf meinem Weg durch den Prozess von Meditation gestorben. Viele Pläne, Wünsche, Träume. Auch wenn ich meist dabei erzitterte, so vertiefte sich das Vertrauen ins Leben.
Lernen, zu sterben und zu vertrauen
In diesem Moment stirbt mein Anspruch einen klaren, leichten, wissenschaftlichen und erfreuenden Noseletter zu schreiben. Ein unangenehmes Gefühl. Ich bleibe ein paar Momente dabei, mit dem Gefühl von Misserfolg im Magen, dem dumpfen Schmerz und sterbe. Lasse los. Okay. Der Schmerz ist immer noch da, aber er wird schwächer. Die Wahrnehmung von Vertrauen dehnt sich aus. Es ist, wie es ist.
So kann ich aus meiner eigenen, gegenwärtigen, momentanen Erfahrung sagen, dass Sterben zunächst unangenehm ist. Hingabe an das, was ist, befreit.
Ein Haiku -Schmetterlinge folgen liebevoll
dem Blumengebinde
auf dem Sarg.
Aus einem Noseletter von FindYourNose.com

